Hier bin ich nun, in Seoul, und beginne mein Auslandssemester an der EWHA Woman’s University. Seit einer Woche lebe ich in der pulsierenden Hauptstadt Südkoreas, voller neuer Eindrücke und Erlebnisse. So einiges habe ich schon erlebt, aber meine Bucket List für die kommenden 4 Monate ist noch endlos lang. Ich habe in diesem Beitrag versucht meine ersten Gedanken ein wenig zu sortieren und aufzuschreiben…

 

1. Die Stadt – Seoul

Seoul ist eine atemberaubende Stadt, die niemals schläft. Mit knapp 10 Millionen Einwohnern innerhalb der Stadtgrenze (ca. 20 Mal so groß wie Düsseldorf) und ganze 25 Millionen in der Metropolregion, ist sie die größte und beeindruckendste Stadt, die ich bisher gesehen habe. Sie befindet sich irgendwo zwischen Tradition und Moderne – was Seoul gerade so besonders macht. In meiner ersten Woche konnte ich schon einige Facetten selbst erleben, wie zum Beispiel das traditionelle Namsangol Hangok Village, das Studentenviertel Hongdae und das moderne Gangnam. Am meisten beeindruckt hat mich aber bisher die Aussicht vom Namsan Tower bei Nacht. Dort wurde mir zum ersten Mal das Ausmaß der Stadt bewusst wurde. In solchen Momenten muss ich mir erst immer selbst sagen. Ja, du stehst hier gerade auf einem Turm über einer Weltmetropole, in der du jetzt wohnst und die 8.000km weit von zuhause weg ist. Verrückt oder?

2. Die Menschen

Die Koreaner sind ein ganz spezielles Völkchen und natürlich alle 2 Köpfe kleiner als mein 178cm langer Körper. Ich, als blonde Europäerin, falle da schön öfters auf, werde aber selten unangenehm angeschaut. Außerdem gibt es viele kulturelle Gegebenheiten und noch mehr, die ich noch gar nicht als diese wahrgenommen habe. Koreaner sind beispielsweise nie gerne alleine und sehr viel in Gruppen unterwegs. Wenn es außerdem einen Partner gibt, dann „klebt“ er meist förmlich an ihr. Beide tragen Partneroutfits, abgestimmte Handyhüllen, es wird Händchen gehalten und gekuschelt. Aber Achtung – Küssen in der Öffentlichkeit ist sehr ungern gesehen!

Besonders beeindruckt bin ich von der unglaublichen Freundlichkeit, die mich stets an jeder Ecke erwartet. Sei es absolut verloren am Flughafen – nach einem 15 Stunden langen Flug, bei der Suche nach einem Taxi, in der Universität oder im Ausländeramt. Alle sind sehr emphatisch und hilfsbereit, was das Einleben in der für mich fremden Kultur sehr vereinfacht. Hierbei spielt angemessener Respekt eine sehr große Rolle, da Koreaner sehr bedacht sind, ihr „Gesicht zu wahren“.

Kleine Story am Rande: Wer mich kennt, weiß, dass ich öfters mal etwas verliere. Dieses Mal war es mein Handy, was aber nach 24 Stunden wieder brav am Studentenwohnheim abgegeben wurde. Das hätte ich in vielen anderen Städten der Welt nicht wieder gesehen – Glück gehabt 🙂

 

3. Das Essen

Ja, Seoul ist eine große Metropole, aber das heißt nicht, dass man alles zu Essen findet, was man gerne möchte. Für mich als Pescetarierin ist es wirklich schwer in Seoul Essen zu finden. Denn die Koreaner lieben Fleisch: Zum Frühstück, als Snack, am Spieß, gegrillt oder einfach als Suppeneinlage. Aber wofür sind Herausforderungen da, wenn man sie doch meistern kann?

Zum Beispiel gibt es das koreanische Nationalgericht, Bibimbap, was aus Reis (Überraschung!), Gemüse, manchmal auch Spiegelei und einer schärferen Paste besteht. Das ganze wird dann in einer großen Schale durchgemischt und zusammen mit einer paar Beilagen gegessen. Das tolle an der koreanischen Küche ist, dass es diese Beilagen fast immer umsonst dazu gibt. Sie bestehen oft aus einer Suppe, Kimchi (fermentierter Kohl) und etwas Unbekanntem, was dann auf Gut Glück probiert wird. Außerdem bezahlt man für das Wasser nichts und Trinkgeld wird auch nicht gegeben – das heißt der Preis für das Essen ist dann auch der finale Preis 🙂

Der Preis, aber auch die geringe Auswahl in den kleinen Supermärkten, ist der Grund warum ich hier fast immer Essen gehe. Ein Gericht in den vielen kleinen Restaurant kostet 3 Euro (aufwärts), für ein Kilo Tomaten zahlt man aber beispielsweise schon 1 Euro mehr. Frisches Obst und Gemüse ist nämlich sehr teuer in Korea.

Was macht man jedoch, wenn man einmal nicht die Zeit hat Essen zu gehen? In den vielen kleinen City Supermärkte bekommt man fertige Snacks und Gerichte – frisch kochen ist hier oft Fehlanzeige. Brot, Toast & Co. ist nur schwer zu bekommen, dafür gibt es aber eine unglaublich riesige Auswahl an Fertigsuppen, die dann nach Belieben noch aufgepimpt werden können. Ich glaube, das Anpassen an die koreanischen Essgewohnheiten wird für mich das schwierige in den nächsten 4 Monaten. Ich freue mich jetzt schon auf richtig gute, frische Brötchen!